Neben den noch vorhandenen Klosterbauten werden einige der wertvollen Ausgrabungsbefunde als "historische Schaufenster" offen gehalten. Durch die sich deutlich abhebende großformatige Sandsteinpflasterung werden die unter der Straßenfläche vorhandenen Originale der ehemaligen Klosteranlage dargestellt.
1. Refektorium
Ehemaliger Speisesaal der Mönche, heute evangelische Stadtkirche.
Der romanisch konzipierte Bau wurde über einem halb so großen
Vorgängerbau um 1230/40 errichtet. Er zeigt mainfränkische,
burgundische und schwäbische Formensprache und weist in einigen
Details auf die beginnende Gotik hin. Einige der aufgestellten
Grabplatten stammen aus der ehemaligen Klosterkirche.
2. Klosterküche
Verlauf der Fundamente im Pflaster dargestellt.
In der Westwand des Refektoriums befinden sich Reste einer Konsole
und eines Gurtbogens der annähernd quadratischen (zweischiffigen)
Küche, deren Gewölbe von einer Mittelsäule getragen
wurde. Der Zugang zur Küche erfolgte vom Kreuzgang aus. Die
Konversen gelangten über eine Tür in der östlichen
Wand des Konversenbaus und über eine weitere im Kreuzgangwestflügel
in den Kreuzgang und die Küche.
3. Kreuzgang und Lavatorium
Einziges noch erhaltenes Kreuzgangjoch mit Zugängen zu Refektorium
und Lavatorium (Brunnenhaus).
Der Kreuzgang wies zuerst ein Kreuznahtgewölbe, sekundär
ein Kreuzrippengewölbe auf. Die Veränderung der Einwölbung
ist oberhalb des ehemaligen Portals des Lavatoriums am noch vorhandenen
Schildbogen des primären Gewölbes zu erkennen. Im Lavatorium
befand sich eine Brunnenschale, die heute auf dem Marktplatz (Station
19) aufgestellt ist.
4. Kalefaktorium
Verlauf der Fundamente im Pflaster dargestellt.
Dieser vermutlich zweigeschossige Bau war einer der drei Orte
des Klosters (neben Küche und Infirmerie), an denen Feuerstellen
erlaubt waren. Der Boden des Erdgeschosses dieses Wärmehauses
lag tiefer als der des Refektoriums und enthielt eine offene Feuerstelle.
5. Katholische Kirche
Längsmauern z.T. auf Umfassungsmauern des Lavatoriums.
Die nach 1650 entstandene katholische Gemeinde wurde seelsorgerisch
zuerst von Heiligkreuzsteinach aus betreut, 1723 wurde eine katholische
Kirche in Schönau erwähnt (eventuell im Lavatorium).
Die heutige Kirche wurde 1737/39 erbaut und dem Hl. Michael geweiht.
Der Raum über dem Kreuzgangjoch war im 18. Jahrhundert Rathaus
und beherbergt heute die Stieffell-Orgel der Kirche.
6. Fraternei
Verlauf der Fundamente der Fraternei (Arbeitssaal der Mönche)
z.T. im Pflaster dargestellt.
Die Fraternei war wie alle Räume des Ostbaus
zweischiffig (siehe dazu auch die Darstellung der ergrabenen Säulenreste
im Pflaster) und diente den Mönchen für verschiedene
Tätigkeiten während der Arbeitsstunden des Tages.
7. Parlatorium oder Auditorium
Verlauf der Fundamente im Pflaster dargestellt.
Dieser eingewölbte Raum hatte die Größe eines
Jochs des zweischiffigen Ostbaus; Reste von Gewölbekonsolen
sind in der Südmauer des heutigen Rathauses noch vorhanden.
Der Raum wurde für Gespräche genutzt, die dem für
Arbeit und Organisation notwendigen Informationsaustausch dienten.
Außerhalb dieses Raumes galt für die Zisterziensermönche
das Schweigegebot.
8. Durchgang zur Infirmerie
Verlauf der Fundamente durch Aufmauerung dargestellt.
Mauerreste dieses Flurs, der vom Kreuzgang durch den Ostbau zur
Infirmerie (Krankenhaus) und zum vielleicht ebenfalls dort gelegenen
Novizenhaus führte, sind im Keller des Rathauses noch vorhanden.
Ob sich hier oder an anderer Stelle die Tagestreppe zum Dormitorium
befand, ist noch nicht geklärt. Hinter dem Rathaus sind noch
Fundamente des wahrscheinlich überdachten Gangs zur Infirmerie
vorhanden.
9. Kapitelsaal
Verlauf der Fundamente durch Aufmauerung dargestellt.
Mauerreste sowie die Base der achteckigen Mittelstütze dieses
Raumes sind im Keller des Rathauses noch vorhanden. Der Umbau
um 1300 führte zu einem annähernd quadratischen Grundriss.
Im Kapitelsaal wurde an jedem Morgen ein Kapitel der Benediktsregel
verlesen, hier wurden Regelverstöße verhandelt, aber
auch Fragen der Klosterwirtschaft. Weiterhin diente er als Begräbnisstätte.
10. Sakristei
Verlauf der Fundamente im Pflaster und durch Aufmauerung dargestellt.
Die Sakristei diente der Aufbewahrung der liturgischen Gewänder,
Gerätschaften und Bücher. Die unter der Überdachung
aufgestellten Grabplatten waren für Bürger aus der Umgebung
bestimmt und stammen aus dem Kreuzgang, die ebenfalls hier aufgestellten
Bauspolien aus verschiedenen Gebäuden des Klausurbereichs.
11. Dormitorium
Der Schlafsaal der Mönche erstreckte sich über die gesamte
Länge des Ostbaus (also von der Sakristei bis zur Fraternei)
und befand sich in dessen Obergeschoss. In den Anfängen der
Klosterzeit war er ein einziger offener Raum, dem die Latrinen
angeschlossen waren. Der Zugang erfolgte über die Tagestreppe,
deren Lage noch nicht bekannt ist, und die Nachttreppe, die sich
im südlichen Querhaus der Klosterkirche befand.
12. Grabplatten
Angehöriger des Adels der Umgebung.
Diese Platten wurden aus ihrer ursprünglichen Lage (vermutlich
im Kreuzgang) von Wallonen nach der Auflösung des Klosters
entfernt und zum Hausbau benutzt. Häuser des Stadtkerns enthalten
noch heute Reste von Grabplatten und Bauspolien der Klosterzeit
(siehe z.B. Nordwestecke des Hauses gegenüber).
13. Vierung der Klosterkirche
Basen dreier Vierungspfeiler im Pflaster bzw. durch Aufmauerung
dargestellt.
Ein Teil der Basis des südöstlichen Vierungspfeilers
ist im Original zu sehen. Das erhöht stehende Haus (Nr. 34),
das nach Osten zu an die Vierung anschließt, steht auf dem
Chor der Kirche. Beim Bau des Hauses wurden die Grabplatte, die
Gebeine und der Totenring des Bischofs Konrad von Hildesheim (Ý1249)
vermutlich aus der Familie der Schenken von Erbach
ergraben.
14. Klosterkirche
Nördliches Querschiff mit Altarkonchen.
Vor den beiden Altarkonchen befanden sich acht Grabplatten (12.
bis Mitte 15. Jahrhundert), von denen sieben erhalten sind und
sich in Schönau befinden. Die beiden Konchen gehörten
zu den insgesamt zwölf Kapellen, die sich um das Chorquadrat
gruppierten und aus liturgischen Gründen in dieser Anzahl
notwendig waren. Im rechten hinteren Ausgrabungsbereich ist die
Lage des nordöstlichen Vierungspfeilers (Aufmauerung) zu
erkennen.
15. Totenpforte der Klosterkirche
Verlauf der Fundamente der Nordmauer des nördlichen Querhauses
im Pflaster dargestellt.
Diese Tür führte zum Friedhof des Klosters; durch sie
wurden die verstorbenen Mönche zum Begräbnis getragen.
Auch die Konversenmönche (Laienbrüder), die während
ihres Lebens Vierung und Chor der Kirche bei Gebet und Gottesdienst
nicht betreten durften, wurden auf diesem Weg zur Bestattung gebracht.
16. Abtshaus
Nach Osten gelegen befand sich außerhalb der Klausurgebäude
das Abtshaus mit Blick auf das Haupttor des Klosters. Auf Teilen
der Fundamente dieses Gebäudes steht heute das Forsthaus
der "Evangelischen Pflege Schönau", in deren Hände
der Klosterbesitz nach der Auflösung desselben überging.
Rechts neben dem Forsthaus ist in der dort befindlichen Mauer
das Gewände eines gotischen Portals zu erkennen.
17. Infirmerie
Verlauf der Fundamente und Basen zweier Säulen im Pflaster
dargestellt.
Nach der Benediktsregel sollen "die kranken Brüder einen
eigenen Raum haben und einen Pfleger, der Gott fürchtet und
ihnen sorgfältig und eifrig dient." Dieser Ort
die Infirmerie wurde wie die meisten anderen Klostergebäude
auch in nachklösterlicher Zeit als Steinbruch benutzt;
die hier verlaufende Straße wird noch heute im Volksmund
als "Steinhaufen" bezeichnet.
18. Ruprechtskapelle
Der gotische Bau wurde von Pfalzgraf Ruprecht I. im 14. Jahrhundert
gestiftet und an die Klosterkirche angebaut. Der Sockelrest, der
den westlichen Abschluss der Kapelle bildete, ist in der Wand
des gegenüberliegenden Hauses noch zu erkennen; die Westmauer
dieses Hauses wurde auf die Westmauer der Ruprechtskapelle gesetzt.
19. Marktplatzbrunnen
Das große Wasserbecken aus dem 13. Jahrhundert, das zur
Klosterzeit im Lavatorium (Station 3) stand, wurde aus einem Sandsteinblock
gehauen und weist als Grundform einen Sechspass auf, der durch
Kugelsegmente zur Schalenform ergänzt wird. Der von einem
Pinienzapfen gekrönte Brunnenstock wurde 1833 in die Schale
eingesetzt.
20. Klostertor und Pfortenhaus
Der romanische Torbau aus dem 13. Jahrhundert weist eine Wagendurchfahrt
und eine Fußgängerpforte auf. Die seitlichen Mauerpfeiler
sind nach innen fortgesetzt, da sie einst einen Fachwerkoberbau
trugen.
An der Nordseite des Tores befand sich das Pförtnerhaus;
das nun hier befindliche Gebäude verläuft teilweise
auf seinen Grundmauern.
Auch Teile der Bachmauer der Steinach sind klosterzeitlich.
21. Torhaus
Ehemalige Torkapelle St. Georg.
Das Fachwerkgebäude wurde am Ende des 16. Jahrhunderts errichtet
und später mehrfach umgebaut. Es wurde auf die Fundamente
und unter Benutzung von Mauer- und Architekturteilen (z.B. gotisches
Portal, Spitzbogenfensterchen in der Nordwand) der 1326 erstmals
erwähnten Pfortenkapelle gebaut. Diese Georgskapelle war
auch für Frauen, denen der gesamte Klosterbezirk verschlossen
blieb, zugänglich.
22.a Klosterkirche
Restaurierte Fundamente der Westfassade
Die Kirche wurde vermutlich in der Zeit von 1167 bis etwa 1215/20
als dreischiffige romanische Basilika erbaut. Trotz aller zisterziensischen
Schlichtheit symbolisierten die verwendeten Materialien, die Vollkommenheit
der Ausführung und die gewaltigen Ausmaße (Länge
84 m) die Bedeutung der Abtei. Das auf die Hauswand gemalte Portal
soll einen Eindruck von der Höhe der Klosterkirche (Giebelhöhe
vermutlich 23 m) vermitteln.
22.b Konversenbau
Original eines Teils des nördlichen Gebäudesockels;
Verlauf der Fundamente z.T. im Pflaster dargestellt.
Der im Westen der Klosterkirche befindliche Bau (Länge 66,5
m) war von den Klausurgebäuden durch die Konversengasse getrennt,
so wie auch die Konversenmönche (Laienbrüder), die für
die Klosterwirtschaft zuständig waren, eine eigene Gemeinschaft
bildeten. Von sozialen Spannungen blieb deshalb auch die Zweiklassengesellschaft
im Kloster Schönau nicht verschont.
23. Vermutliches Klostergasthaus
Das heutige Gasthaus das älteste im Steinachtal
wurde vermutlich auf den Fundamenten eines älteren Gebäudes
errichtet. Ursprünglich diente der Bau wahrscheinlich als
Gasthaus des Klosters. Auch hierfür galt eine Anweisung der
Benediktsregel: "Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen
werden wie Christus; ...Gäste sollen eine eigene Küche
haben; so stören Gäste... die Brüder nicht. Diese
Küche übernehmen... zwei Brüder..."
24. Zunfthaus
In seinen ältesten Teilen ist dieses Gebäude gotischen
Ursprungs (siehe z.B. die Konsole an der Nordostecke) und diente
vermutlich als Gästeherberge des Klosters; die Benediktsregel
sagt dazu aus: "Die Unterkunft für die Gäste vertraue
man einem Bruder an..."
In nachklösterlicher Zeit wurde das Haus mehrfach umgebaut
und fand als Zunfthaus der Tuchmacher Verwendung (siehe dazu die
Holzmedaillons).
25. Ern
Dieser Flur im Konversenbau ermöglichte den Durchgang durch
das Konversengebäude zur Konversengasse. Durch Türbögen,
die heute noch erhalten sind, konnte man von diesem Flur aus den
nördlichen und südlichen Teil des Gebäudes betreten.
In diesem Bau befanden sich im Erdgeschoss das Refektorium der
Laienbrüder sowie Kellerräume, im Obergeschoss das Dormitorium
der Konversen.
26. Sgraffito und Innenseite des Konversenbaus
Das Sgraffito vermittelt einen Eindruck der Klosteranlage und
entstand durch Privatinitiative.
Die Mauer rechts vom Treppenaufgang ist der südliche Teil
der ehemaligen Ostwand des Konversenbaus. Man kann einen Konsolstein
und Teile der Leibung zweier Fensteröffnungen erkennen. Im
Pflaster der Kirchgasse ist das Fundament eines Pfeilers des zweischiffigen
Konversenbaus nachgebildet.
27. Hühnerfautei
Das Gebäude befindet sich außerhalb des ehemaligen
Klausurbereichs und war mit seiner Schauseite auf einen großen
Wirtschaftshof ausgerichtet. Es ist eines der wenigen noch erhaltenen
Profangebäude des Hochmittelalters und wurde um 1250/1251
erbaut. Besonders wertvoll ist die Hühnerfautei deshalb,
weil ein großer Teil der bauzeitlichen Deckenbalken sowie
große Teile sämtlicher Putz- und Malschichten noch
erhalten sind.
28. Wallonenhaus
Fundamente und Teile des aufgehenden Mauerwerks entstammen der
Klosterschmiede
Die Klosterschmiede war in einem großen Speichergebäude
untergebracht, das sich von der Hühnerfautei bis hierher
erstreckte. Um 1588 das heute hier befindliche Gebäude errichten
zu können, wurde der große Speicherbau abgerissen.
Bei dem Männerkopf an der obersten Treppenstufe könnte
es sich um das Bildnis eines Pfarrers der calvinistischen wallonischen
Gemeinde Schönaus handeln.