
Das Wallonenhaus
Das
1588 erbaute Fachwerkhaus steht auf dem Fundament der ehemaligen
Klosterschmiede. Seine Bauweise ist für jene Zeit charakteristisch.
Es
zeichnet sich neben der preiswerten, stabilen Fachwerkbauweise durch seine
ästhetische Formgebung aus. In einem Zimmer dieses Gebäudes wurden vor einigen
Jahren interessante Fachwerkausmalungen aus der Zeit des 16. Jh. festgestellt.
Die
Klosterschmiede befand sich, wie alle Profangebäude, außerhalb der inneren
Klausur. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde in ihr im Jahre 1357 die
Klosterglocke gegossen, die sich auf dem Dachreiter der Vierung der
Klosterkirche befand. Die Glocke ist noch erhalten. Sie ist die älteste Glocke
des Odenwaldes und befindet sich heute auf dem Turm der evangelischen
Stadtkirche Erbach im Odenwald, wo ihr Geläut täglich um 11 Uhr zu hören ist.
Die
Glocke wurde von den Schenken von Erbach, nachdem das Kloster aufgehoben worden
war, im Jahre 1563 nach Erbach geholt. Die Erbacher hatten ehemals als
Gegenleistung für ihr Erbbegräbnis im Kloster den Dachreiter der Klosterkirche
samt Glocke unterhalten.
Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung vom 17.2.1981
Wallonen lösten die Klosterbrüder
ab
Nachdem der Kurfürst Otto Heinrich im
Jahre 1556 in der Pfalz die Reformation eingeführt hatte,
schlug auch dem einst so mächtigen Kloster Schönau die
Sterbesstunde. Im Jahre 1563 wurde es endgültig aufgelöst.
Schon ein Jahr vorher überließ der Kurfürst Friedrich
der Fromme die leerstehende Abtei einer Anzahl von wallonischen
Flüchtlingen, die um ihren Glaubens aus ihrer Heimat vertrieben
worden waren. Es waren meist Tuchmacher aus der Gegend von Lüttich
und Namur. Sie richteten sich in den verschiedenen Klostergebäuden
je nach Bedürfnis ihre Wohnungen ein. Manches zerfiel, manches
wurde abgebrochen und manches umgebaut. In diese Zeit fällt
wohl auch die Errichtung des sogenannten Wallonenhauses am Anfang
der Rathausstraße ein besonders sehenswertes Schmuckstück
des Klosterstädtchens. Es trägt deutlich die Zeichen
zweier Epochen: Den meterdicken Wänden des romantischen und
gotischen Baustils schließt sich ein gut gegliederter Fachwerkbau
an. Einst war im Wallonenhaus die Klosterschmiede untergebracht,
später beherbergte es die Nagelschmiede. Im Gebäude
war einst ein Rad, dass durch einen laufenden Hund in Schwung
gesetzt wurde.